Meine Radios
© Roman Beyer
15.03.2006

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Wenn ich mit meinen alten Radios Musik höre, spiele ich gern mal über die Antennenbuchsen ein externes Programm ein. Dieses kommt von meinen Shellackplatten und Gramophon oder aus dem Internet. Viele schöne Online-Sender, die historische Musik aus den 20igern spielen sind bei Live365.com zu finden. Meine bevorzugten Sender sind Weimar Rundfunk  mit europäischer Kaffeemusik aus den 20iger, 30iger und 40iger Jahren, Player Piano Radio mit Pianomusik und Absinthe Radio mit Jazz und Swing aus den 20iger und 30iger Jahren.
 
Dank EBAY habe ich mir einen Traum erfüllt. Ich habe drei Volksempfänger ersteigert, die alle bis auf wenige Kleinigkeiten sehr gut erhalten sind. Restaurationsarbeiten waren aber trotz allem nötig.
Erster Schwachpunkt sind immer die Kondensatoren; speziell die Elkos. Hier ist Improvisationsvermögen gefragt. Die Elkohülle wird mit einem Fön warm gemacht, so dass die Vergussmasse herausläuft. Diese muss aufgefangen werden, weil wir sie wieder zum Verschließen des Kondensators brauchen. Ist die Vergussmasse entfernt, kann man mit einem Schraubendreher das Innere (den eigentlichen Kondensator) herausstoßen. Nun wird der neue Kondensator (auf Spannungsfestigkeit und Polarität achten!) eingesetzt und die Pappröhre mit der Vergussmasse und Fön (oder Lötkolben mit Kupferdrahtspitze) wieder verschlossen. Wer sich das nicht zutraut, kann sich gerne an mich wenden. Ich habe auch schon Kondensatoren selbst angefertigt. Als Hülle eignet sich jede etwas stabilere Papprolle, z.B. der Kern einer Faxrolle. Hier wird ein passender Kondensator mit verlängerten Anschlussdrähten eingeschoben und mit Vergussmasse verschlossen. Bei Elkos sollte man vorher die Polarität auf dem Pappkörper markieren. Ein passendes Etikett habe ich mit Schriftsätzen und Symbolen aus jener Zeit nachgefertigt und den Kondensator damit beklebt.
Ein weiterer Schwachpunkt ist der flexible Draht an den Hartpapierdrehkos. Entwerder kann er abreißen oder an durchgescheuerten Stellen einen Kurzschluss verursachen. Hier hilft nur ein Ersatz durch feine isolierte Litze, eventuell etwas dickere HF-Litze. Die passt vom Aussehen her gut zu den Drehkos.
Häufig verursachen Widerstände mit aufgepressten Metallkappen an den Enden unerklärliche Effekte oder gar ein totales Versagen des Radios. Man sollte sich in solch alten Radios wirklich jeden Widerstand mit der Lupe ansehen. Sind an der Metallkappe Risse zu erkennen, sollte der Widerstand ausgetauscht werden. Auf Messwerte mit dem Ohmmeter kann man sich hier nicht verlassen, da sich durch die losen Kappen während des Betriebes die Verhältnisse durch Erwärmung grundlegend ändern können.
Oxydierte Kontakte werden mit Wellenschalteröl gereinigt und anschließend mit weichem Leder poliert. Keinesfalls sollte man mit Feile oder Sandpapier arbeiten.
Bei Allstromgeräten ist darauf zu achten, dass die richtigen Skalenlampen eingesetzt sind. Spannung und Strom sind sehr wichtig, da die Lampen in den Heizkreis der Röhren eingeschleift sind, und falsche Lampen unter Umständen zur Zerstörung der Röhren führen können. Wichtig ist auch, sich von der eingestellten Netzspannung zu überzeugen, denn zu der damaligen Zeit gab es Gleichstromnetze und Wechselstromnetze mit den verschiedensten Spannungen. Sollte sich das Gerät nicht auf 230 oder 240V einstellen lassen, ist es besser, einen Stelltransformator oder noch besser einen Trennstelltrafo vorzuschalten und die Spannung bei eingeschaltetem Radio langsam auf den gewünschten Wert hochzudrehen.
Leichter Flugrost auf dem Chassis und auf Trafos kann mit Öl wegpoliert werden. Keinesfalls sollte man die Röhren zu sehr polieren, da die Beschriftung sehr empfindlich ist.
Gerissene Lautsprechermembranen kann man getrost mit Alleskleber reparieren, da ohnehin kein HiFi-Klang rauskommen soll. Bei meinen Radios hat nur Eines den originalen Stoff. Deshalb habe ich in einer Schweriner Weberei einen ähnlichen Stoff nachweben lassen. Das war zwar nicht ganz billig, aber der Stoff sieht wirklich super aus. Ich habe ihn bei meinem Schaub 591 verarbeitet.
Die Rückwände sind meistens mit Schrauben M3,5 befestigt. M3 und M4 passen NICHT!!! M3,5 scheint zu der damaligen Zeit der Standard gewesen zu sein, da man sie auch an anderer Stelle findet. Falls jemand keine M3,5 Schrauben hat, kann er sich auf dem Flohmarkt umsehen. In alten Schaltern und Steckdosen aus der Elektroinstallation sind meist solche Schrauben zu finden.
Falls das stoffummantelte Netzkabel defekt ist, und man kein anderes zur Hand hat, kann man eine zweiadrige PVC-Leitung verwenden. Als Stoffumspannung wird eine Gepäckspinne aus dem Baumarkt in der passenden Farbe verwendet. Die Enden werden abgeknipst, und die Umspannung auf eine geeignete Stange (von Scheibengardinen) „rübergeschoben“. Das erfordert allerdings etwas Übung und Fingerspitzengefühl. Danach wird der Stoff von der Stange auf das PVC-Kabel geschoben und mit Sternzwirn fixiert. Man muss schon zweimal hinsehen, um zu erkennen, dass der Stoff nicht aus Baumwolle ist. 
Radiogehäuse (Bakelit oder Holz) pflege ich mit Renuvell. Sollte das mal nicht ausreichen verwende ich Möbelwachs farblos von PNZ. Beide Sachen sind im Baumarkt erhältlich.

renuvell       pnz

Volksempfänger:
Von links nach rechts
VE301W von Mende Bj 1935 (original Stoff),  VE301Dyn von TEFAG Bj 1939, DKE von Wega Radio Bj 1938
Darunter eine „Jubilate“ von Telefunken, Baujahr in den 60iger Jahren.

radios
...und sie spielen alle!
Die Reparatur des Lautsprechers des VE301Dyn habe ich hier beschrieben.
Hier noch ein paar Bilder vom Innenleben des VE301W:

VE301W VE301W
VE301W


Ein weiteres Flaggschiff ist mein Schaub 591W, Baujahr 1935. Besonderes Merkmal ist die Kreisskala. Eigenartiger Weise habe ich zu diesem Radio im Internet nur spärliche Informationen gefunden, und erst recht KEINE Bilder. An der Elektrik mussten die üblichen Reparaturen durchgeführt werden. Das Gerät war sehr stark verbastelt. Die größte Arbeit hat allerdings das Aufarbeiten des Gehäuses gemacht. Es war mit Schellack lackiert und hatte unzählige Risse und Schrammen. Also entschloss ich mich, das Gehäuse mit neuem Schellack zu versehen, ich, der von Farben genau so viel Ahnung hat, wie eine Kuh vom Stricken! Probeweise habe ich eine alte Schellackplatte in Spiritus aufgelöst. Die Substanz war aber nicht so recht brauchbar, die Partikel waren zu gross. So habe ich im Antik-Shop den entsprechenden Schellack, Bimsmehl und Stahlwolle 0000 gekauft. Im Internet gibt es genügend Informationen zur korrekten Verarbeitung von Schellack. Deshalb verzichte ich hier auf eine ausführliche Anleitung. Nur soviel sei gesagt: Schellack wird nicht gestrichen oder gespritzt! Er wird grundsätzlich poliert. Streichen deshalb nicht, weil der Lackauftrag viel zu dick und streifig werden würde. Spritzen auch nicht, weil das Lösungsmittel (Spiritus oder reiner Alkohol) nach Austritt aus der Spritzpistole verdunstet, bevor sich der Lack auf dem Werkstück absetzt. Zum Lackauftrag wird immer ein Polierballen aus feiner, fusselfreier Baumwolle (T-Shirt), der von innen mit Lack befüllt wird verwendet. Ziel des Lackauftrags mit Schellack sollte immer eine spiegelglatte Oberfläche sein. Deshalb sind durchaus bis zu 20 Polituren notwendig. Ich, als Farben-Laie habe für mein Gehäuse über 3 Wochen gebraucht. Aber der tiefschwarze, schellacktypische Spiegelglanz macht alle Mühe wieder wett. Selbst der beste Kunstharz-Lack dürfte da nicht mithalten können.

Und so sieht er aus:

Schaub591 Schaub591

Weiterhin nenne ich noch 9 weitere Röhrenradios mein Eigen, alle Baujahr 50iger und 60iger Jahre, alle funktionstüchtig, darunter auch 2 Philetta.

 

  

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zuletzt bearbeitet: 09.03.2006

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