14.07.2008
Warum ich mich für die weitere friedliche Nutzung der Atomkraft in Deutschland ausspreche.
Wer Tippfehler findet, darf sie gern behalten. Ich schreibe generell OHNE elektronische Rechtschreibprüfung.




Bitte beachten Sie meine persönliche Empfehlung am Ende dieses Beitrags!

In meinem Freundeskreis wurde ich in der Vergangenheit öfters schief angesehen weil ich mich für die Atomkraft aussprach. Nachdem ich aber meine Gründe näher angeführt hatte, wurden einige Leute schon etwas nachdenklich.
Meine Entscheidung für die Nutzung der Atomkraft hat verschiedene Gründe.

Erstens:
Es wird nur zu gerne als Contra das Beispiel Tschernobyl angeführt.
Mal abgesehen davon, dass die Wenigsten wissen, dass das AKW Tschernobyl eigentlich in steht und die meisten Bilder der Geisterstadt in Pripjat aufgenommen wurden, zeigt sich doch, dass in der Bevölkerung zu wenig üder die Hintergründe und Ursachen über den Unfall im AKW Tschernobyl bekannt sind. Ich musste auch feststellen, dass die wenigsten Menschen die ganzen Ausmaße der Kontaminierung durch den Tschernobyl-GAU ebenso wenig kennen wie den Unfall von Majak. Zumindest diese beiden gravierenden Unfälle wären vermeidbar gewesen!
In Tschernobyl waren bis Dezember 2000 noch Reaktoren vom Typ RBMK im Einsatz. Der Vorteil dieses Reaktortyps besteht darin, dass einzelne Brennelemente während des laufenden Betriebes gewechselt werden können. Das ist interessant für die Gewinnung von waffenfähigem Plutonium.

Die Reaktoren in Tschernobyl und alle anderen noch aktiven russischen Reaktoren vom Typ RBMK haben einen wesentlichen Konstruktionsfehler:
Zur Moderation wurden in Tschernobyl 1700t brennbares Graphit verwendet. Ein Graphitbrand gilt im Allgemeinen als nicht löschbar. Graphitmoderierte Reaktoren haben einen positiven Leistungskoeffizienten. Sinkt wegen einem Defekt der Kühlmittelpegel im Reaktorraum, so steigt die thermische Leistung des Reaktors - bis hin zur Kernschmelze weil hier das Kühlmittel nicht gleichzeitig der Moderator ist.
Im Tschernobyl-Reaktor waren auch die Spitzen der Regelstäbe aus Graphit, was dem Reaktor beim Einfahren der Stäbe (um den bevorstehenden GAU zu verhindern) letztlich den entscheidenden Rest gegeben hat! In Bruchteilen von Sekunden stieg die Reaktivität im Kern und somit auch die Temperatur an. Das Ergebnis ist bekannt. Dieses Regelverhalten eines RBMK war den Mitarbeitern in Ignalina (Google-Maps) übrigens bereits vor dem Tschernobyl-GAU bekannt, wurde aber den Reaktorfahrern von Tschernobyl nicht mitgeteilt.
Verschärft wurde der GAU durch die hohen Temperaturen des brennenden Graphit. Durch die gewaltige Thermik wurden radioaktive Partikel gut 1km in die Höhe gebracht und verteilten sich dann auf weite Teile der Erdkugel.
Ein weiterer gravierender Mangel dieses Reaktortyps war das Fehlen eines angemessenen Containments. Dieses hätte möglicherweise die Umweltkontaminierung bei einem GAU verhindert oder zumindest stark eingeschränkt. Etliche weitere Konstruktionsmängel könnte ich hier noch aufzählen - dieses waren aber die entscheidenden Mängel.
Korrektur 19.09.2008: Ein weiterer sehr gravierender Mangel war, dass die Entscheidungsgewalt bei dem Test, der den GAU zur Folge hatte bei EINEM Menschen lag. Wenn ich mich nicht ganz irre, war es Anatolij Djatlow (Bitte um Korrektur, wenn der Name falsch sein sollte). Das war unverantwortlich!


Video auf YouTube
Die Seite von Elena Filatova   *RESPEKT!!*
Eine italienische Seite
IAEO-Bericht
International Nuclear Safety
Bild vom jetzigen Zustand des Dachs des Sarkophags  Die Gesamtlöcher des Sarkophags werden auf ca. 1000m² geschätzt. Kommentar sinnlos!
Tagesspiegel  Zitat: "...Bei den Geldgebern in Brüssel werden allerdings immer wieder Vermutungen laut, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Subventionen in dunklen Kanälen verschwindet – was in Kiew natürlich brüsk dementiert wird...." Zitat Ende

Westliche Reaktoren haben i.d.R. einen negativen Leistungskoeffizienten. Hier wird zur Moderation leichtes oder auch schweres Wasser verwendet, welches zugleich Kühlmittel ist. Allerdings ist ein GAU - wie in allen AKWs - auch hier nicht zu 100% auszuschließen. Als Alternative wäre der PBM-Reaktor zu nennen, welcher auf eine deutsche Entwicklung zurück geht. Aber Dank der Atom-Phobie wurden die Forschungen in Deutschland an diesem Reaktortyp eingestellt. Hier wäre die Möglichkeit gegeben, den Kernbrennstoff optimal auszunutzen und somit auch den radioaktiven Abfall zu reduzieren.
Es mag jetzt vielleicht so aussehen, dass ich die Gefahren der Nutzung der Kernenergie relativieren will. Das ist nicht so. Ich bin bestens über die großen Störfälle und GAUs informiert. Speziell mit Tschernobyl und Majak habe ich mich etwas näher beschäftigt. Beachtlich ist, dass auf dem Gelände von Majak ein Reaktorwrack neben dem anderen steht. Zur Beachtung bitte auch der zubetonierte, kontaminierte See. Auch der schnelle Brüter in Aqtau ist nicht von Pappe. Der nördlich vom AKW gelegene Koshkar-Ata-See ist hochgradig kontaminiert (FZ-Juelich). Das alles ist definitiv auf Schlamperei zurück zu führen.

*       *       *
Zweitens:
Es mag aus ökologischer Sicht sehr löblich sein, den Atomausstieg voran zu treiben. Das Problem sehe ich nur darin, dass eine deutsche Insellösung keine wirkliche Lösung ist. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich Nachbarländer wie Frankreich oder Tschechien vor Freude über den deutschen Atomausstieg auf die Schenkel klopfen und flugs ein oder zwei neue AKW bauen, um Deutschland nach dem vollzogenen Ausstieg mit "sauberem" Atomstrom zu versorgen. Den EVUs kanns egal sein, woher der Strom kommt. Die Zeche zahlt dann wie immer der kleine Mann inform von höheren Strompreisen, aber er lässt sich suggerieren, dass Deutschland jetzt viel sauberer ist. Ich bin jedenfalls nicht so blöd, dass ich diesen Schwachsinn glaube! Es ist absolut Wurscht, ob ein AKW in Brunsbüttel, Chooz oder Dukovany den Deckel auf macht! Warum haben denn wohl die deutschen EVUs dem Atomkonsenz zugestimmt? Das Zähneknirschen war doch nur pro forma. Ich denke mir hier zwei Möglichkeiten. Die EVUs haben sich gesagt, dass in 10 ider 15 Jahren eh eine andere Regierung am Ruder ist und der Atomkonsenz wieder "gerade gebogen" wird, oder es ist schon in Sack und Tüten, dass dann der Strom für den deutschen Markt aus dem Ausland kommt. Tolle Nummer. Unter diesem Aspekt kommt für mich nur ein gesamteuropäischer Atomausstieg in Frage.
Nebenbei bemerkt bezieht Frankreich gut 70% seines Stroms aus Atomenergie und hätte wohl nicht unbedingt ein Problem mit einem Reaktorneubau. ;-)

Kernkraft ist und bleibt ein sehr heikles und risikoreiches Thema. Darum bin ich gegen einen deutschen Atomausstieg im Alleingang. Ich kontrolliere ein Problem lieber selber, anstatt dass ich es einem Land/einer Regierung überlasse, auf dessen Gesetzgebung und Kontrollmechanismen ist keinen oder nur sehr beschränkten Einfluss habe!

Unterm Strich kann ich feststellen, dass die meisten Unfälle auf Schlamperei, Unwissenheit , menschliches Versagen oder rigide Sparmaßnahmen bei der Sicherheit zustande kamen. All diese Faktoren sind beeinflussbar - im positiven wie im negativen Sinne.

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Meine persönliche Empfehlung an die Bundesregierung
Wenn diese Bundesregierung wirklich mal etwas richtig machen will, sollte sie drei Dinge tun:
Ich empfehle der deutschen Regierung, die gesamte Stromerzeugung zu verstaatlichen!
Nein, ich spinne nicht. Ich will auch nicht die DDR zurück haben.
Die Verstaatlichung der Stromerzeugung ist aus meiner Sicht das einzige Mittel, um einen Atomausstieg durchzusetzen, alternative Energieen zu fördern und endlich das Sparen der Bürger beim Stromverbrauch mit geringeren Preisen zu honorieren! Das ist nur auf staatlicher Ebene und mit staatlichen Mitteln machbar. Hier sind Subventionen sinnvoll aufgehoben und kommen letzten Endes der Umwelt und den nachfolgenden Generationen direkt zugute.
Mir ist es völlig unklar, wie man bei dem jetzigen, privatwirtschaftlichen Stromerzeugungssystem in diesem Land auf die Idee kommen kann, den Bürgern den Sparstempel auf die Stirn zu drücken und das Sparen sogar per Dekret inform eines Glühlampenverbots durchdrücken will. Für wie blöde halten uns diese Berliner Bundeskasper eigentlich? Die EVUs sind Aktiengesellschaften, deren Aktionäre jedes Jahr aufs Neue eine nette Dividende haben möchten. Nun kann man sich an fünf Fingern abzählen, was bei einem tatsächlich einsetzenden Strom-Spar-Boom und somit rückläufigen Umsätzen mit den Dividenden passiert.
Naaaa? Kann es jemand erraten?
Richtig! Die Dividenden steigen trotzdem oder bleiben zumindest konstant. :-)
Nun kommen wir zur Mathematik, Klasse 4.
A · B = C
Wenn C (die Dividende) konstant bleiben soll, aber A (der Umsatz/Absatz) sich verkleinert, muss B (der Preis) größer werden. Ich hoffe, dass ich mit meinem kleinen Hirn jetzt keinen Denkfehler gemacht habe.
Weitere Möglichkeiten der Dividendenstabilisierung wären der Arbeitsplatzabbau oder die Einsparung bei Wartung, Instandhaltung und Sicherheitstechnik. Welche dieser Möglichkeiten angewendet werden könnte, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Kombinationen sind durchaus möglich.
Ich weiß nicht, wie schamlos man als Politiker sein muss, um seinen Bürgern unter diesen Gesichtspunkten den Spargedanken anheim zu stellen. Aber vielleicht bin ich ja doch zu doof und sehe das alles völlig falsch und habe den Peng nicht gehört.
Und aus genau diesen Gründen fordere ich die Verstaatlichung der Stromerzeugung um exakt solcher Entwicklung vor zu beugen.

Die Stromerzeugung und -versorgung gehört für mich genau so zu den neuralgischen Sparten eines Staatssystems wie Wasser-Ver- und -Entsorgung, Wärmeversorgung, Müllentsorgung, Bahn- und Nahverkehr und das Gesundheits- und Bildungs- und Sozialsystem. Wenn ich als Staat an dieser Stelle das Zepter aus der Hand gebe, habe ich das Recht verwirkt, mir das Wort "sozial" auf die Fahnen zu schreiben. Ich habe dann keinen Einfluss mehr, meine Bürger mit den elementarsten Dingen angemessen zu versorgen und ich habe dann in der Endkonsequenz auch keine Möglichkeit mehr, ökologische Ziele zu verwirklichen. Ökologie kostet Geld! Damit sind Aktionäre wohl kaum zu locken, oder?
Wenn sich exakt an diesen neuralgischen Punkten in Bälde nichts andert, bleibt für mich das Öko-Geschwafel aus Berlin nichts weiter als "Gute Mine zum bösen Spiel" und die Klimaziele von Kyoto unerreichbar, egal, ob mit oder ohne den deutschen Atomausstieg im Alleingang.

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